Die Planung einer kombinierten lüftungsanlage für industriegebäude (RLT-Anlage) für Industriegebäude ist eine hochkomplexe Ingenieursleistung. Im Gegensatz zu Bürogebäuden müssen industrielle Anlagen oft massive thermische Lasten abführen, Schadstoffe (Rauch, Staub, Gase) gezielt extrahieren und gleichzeitig präzise Klimabedingungen für empfindliche Produktionsprozesse garantieren.
1. Funktionen der industriellen Klimatisierung
Eine vollumfängliche RLT-Anlage in der Industrie übernimmt nach DIN EN 16798 vier Grundfunktionen der Luftbehandlung:
- Heizen: Erwärmung der Außenluft im Winter auf Zulufttemperatur.
- Kühlen: Abfuhr innerer Wärmelasten (durch Maschinen, Beleuchtung oder Sonneneinstrahlung).
- Befeuchten: Sicherstellung einer Mindestfeuchte (wichtig für die Elektroindustrie oder Druckereien zur Vermeidung elektrostatischer Aufladung).
- Entfeuchten: Schutz der Bausubstanz und Produkte vor Korrosion oder Schimmel.
2. Systemaufbau und technische Konzepte
In der Industrie kommen meist zentrale Zentrallüftungsgeräte zum Einsatz, die über ein Kanalsystem die Halle versorgen.
Zentrale Komponenten
- Wärmerückgewinnung (WRG): Pflicht nach der Ökodesign-Richtlinie. Zum Einsatz kommen Rotationswärmetauscher (hohe Effizienz) oder Kreislaufverbundsysteme (strikte Medientrennung, ideal bei belasteter Abluft).
- Adiabate Kühlung: Nutzung von Verdunstungskälte zur kostengünstigen Vorkühlung der Luft ohne hohen Stromverbrauch für Kompressoren.
- Kältemaschinen / Wärmepumpen: Bereitstellung der benötigten Kühlenergie, oft gekoppelt mit Kaltwasser-Systemen.
Luftführung im Raum
| Konzept | Beschreibung | Eignung |
| Quelllüftung | Einbringung der Luft im Bodenbereich mit geringer Geschwindigkeit. | Große Hallen mit hohen thermischen Lasten. |
| Mischlüftung | Luftaustritt über Weitwurfdüsen im Deckenbereich. | Hallen mit geringer Höhe oder Hindernissen im Bodenbereich. |
| Schichtlüftung | Gezielte vertikale Trennung von sauberer Kaltluft und belasteter Warmluft. | Schweißereien oder Gießereien. |
3. Maßgebliche Normen und Richtlinien
Die Einhaltung technischer Regeln ist für die Betriebssicherheit und Haftung der Geschäftsführung unerlässlich:
- VDI 6022: Der “Goldstandard” für die Hygiene. Sie regelt die Anforderungen an die Reinigbarkeit, Filterung und regelmäßige Inspektion.
- DIN EN 16798: Europäische Norm zur energetischen Bewertung von Lüftungsanlagen in Nichtwohngebäuden.
- ASR A3.6: Arbeitsstättenregel zur Sicherstellung ausreichender gesunder Atemluft am Arbeitsplatz.
- VDI 3803: Anforderungen an die bauliche Gestaltung und Anordnung der technischen Komponenten.
4. Energetische Optimierung & Energiemanagement
Industrieanlagen sind energieintensiv. Ein modernes Energiemanagement (oft integriert in die ISO 50001) ist hier essenziell:
- Variable Volumenstromregelung (VAV): Bedarfsgerechte Anpassung der Luftmenge basierend auf CO2- oder Partikelkonzentration.
- Frequenzumrichter: Stufenlose Regelung der Ventilatorenmotoren zur Stromeinsparung.
- Abwärmenutzung: Integration von Prozessabwärme (z. B. aus Druckluft oder Maschinen) zur Erwärmung der Zuluft.
5. Wartung und gesetzliche Prüfungen
Die Instandhaltung sichert die Langlebigkeit und die Einhaltung der Hygiene:
- Hygieneerstinspektion: Vor Inbetriebnahme.
- Wiederkehrende Hygieneinspektion: Alle 2 Jahre (bei Anlagen mit Befeuchtung) bzw. alle 3 Jahre (ohne Befeuchtung).
- Brandschutzprüfung: Jährliche Prüfung der Brandschutzklappen (BSK) nach Herstellervorgaben und Prüfverordnung.
- Energetische Inspektion: Alle 10 Jahre Pflicht für Klimaanlagen mit einer Kälteleistung über 12 kW (§ 74 GEG).
Zusammenfassung für Planer und Betreiber
Eine professionelle Planungsgesellschaft für Energie- und Gebäudetechnik stellt sicher, dass die Anlage nicht nur die thermischen Bedingungen erfüllt, sondern auch die Lebenszykluskosten (LCC) durch hocheffiziente Komponenten und smarte Regelung minimiert.